Cat Tien Nationalpark (Vietnam)

Der Cat Tien National Park befindet sich zwischen Ho Chi Minh Stadt und Dalat. Mit einem lokalen Bus kann dieser gut und günstig erreicht werden. Im Park werden mehrere Touren angeboten, um Wildtieren wie Gibbons begegnen oder die lokalen Dörfer via Fahrrad, Kajak oder zu Fuß kennenlernen zu können. Die Wanderung zum Krokodil See kann über einen asphaltierten Weg erfolgen und erfordert kaum Orientierungskenntnisse. Wer den Wunsch hegt, Wege quer durch den Urwald zu beschreiten, sollte auf alle Fälle einen Führer engagieren. Um eine 2-Tages-Tour zu ermöglichen und den Sonnenuntergang am Krokodil See genießen zu können, gibt es auf der Route Übernachtungsgelegenheiten, die vorab gebucht werden müssen. Der Eintritt in den Park kostet 40000 vietnamesische Dong, was etwas weniger als 2 US-Dollar entspricht, die Erlaubnis zum Krokodil See 140000 und die Übernachtung 500000.

Cat Tien

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Tag 1 Tag 2

 

12.11.2016 –13.11.2016

 

Tag 1: Forest Call Lodge – Krokodil See, 15 km:
Meine Wahl fällt auf das individuelle Kennenlernen des Nationalparks. Um die Wanderung gestärkt beginnen zu können frühstücke ich auf dem lokalen Markt eine nationale Spezialität – Nudelsuppe mit Rindfleisch. Als Proviant gibt es in Blätter verpackte Reiskuchen und gefülltes Gebäck. Den Großteil meines Gepäckes lasse ich in der Forest Call Lodge und begebe mich zur Fähre. Nach der 2-minütigen Überfahrt über den braunen Fluss buche ich in der Touristeninformation die Übernachtung, erwerbe ich den Erlaubnisschein für den See und folge der Asphaltstraße nach rechts in den Park hinein. Die Straße ist breit gebaut, jedoch nicht allzu belebt – selbst die vorbeifahrenden Jeeps lassen sich an zwei Händen abzählen. Ich entscheide mich für den ersten Trampelpfad in den Urwald hinein. Es umspielt mich eine Welle der Ruhe, – ich fühle mich wohl, keine motorisierten Fahrzeuge mehr, nur ein schmaler Weg mit Bäumen auf beiden Seiten. Ich halte einen Moment lang inne und höre dem ohrenbetäubenden Konzert der Grillen zu. Uralte Bäume mit riesigen ineinander verschlungenen Wurzeln stehen vereinzelt zwischen Gräsern und Büschen. Ich bin umgeben von allen nur erdenklichen Grüntönen. Einige Äste scheinen von oben nach unten zu wachsen oder schaukelartig zwischen mehreren Stämmen zu hängen. Unerwartet raschelt einer der Bäume und schwingt hektisch hin und her. Ich gehe ein paar Schritte durch dichtes Gebüsch direkt in den Dschungel und kann einen schwarzen Umriss an der Baumkrone erkennen, der sich sogleich auf die nächste schwingt und damit genauso schnell wie er aufgetaucht ist auch wieder aus meinem Sichtfeld verschwindet. Langsam begebe ich mich zurück zum Pfad, vorsichtig um keinen der bis zu fingerlangen Stacheln der Gewächse auf meiner Haut spüren zu müssen. Nach einigen Abzweigungen, die mich ins Grübeln brachten, finde ich den richtigen Weg zur Straße. Nach 8 Kilometern eröffnet sich links ein kleiner asphaltierter Weg in Richtung des Krokodil Sees. Auf halber Strecke macht sich ein Urwaldriese zu meiner linken breit, ein alter Baum mit mächtigen schaufelartigen Wurzeln, die alleine bereits größer als ich sind. Bedächtig sehe ich hinauf. Von mir aus rechts befinden sich einige Sträucher und Farne, die mit kunstvollen Spinnennetzen miteinander verbunden sind. Eine Fledermaus kreuzt plötzlich geräuschlos meinen Weg. In der Ferne nehme ich einige Vögel wahr, die abwechselnd einen tiefen und einen hohen Ton anstimmen. Davon heben sich diejenigen ab, die die Tonleiter von oben nach unten singen, während sie von anderen abgelenkt werden, die sich an keine Vorgaben oder Muster halten. Das Zirpen der Grillen, das einmal leiser und einmal lauter ausfällt, vervollständigt das Orchester. Am Krokodil See ist eine größere Rangerstation mit einigen bungalowartigen Gästezimmern aufgebaut, die überraschenderweise über Badezimmer inklusive Dusche verfügen – purer Luxus auf einer solchen Route. Selbstredend ist das Baden in dem Gewässer verboten. Bei einem farbvollen Sonnenuntergang beobachte ich von hier aus die Krokodile im See, bevor ich mich einige Zeit später unter einem prächtigen Sternenhimmel in mein Zimmer zurückziehe.

 

 

Tag 2: Krokodil See – Forest Call Lodge, 7 Kilometer:
Mein Schlaf wird die gesamte Nacht über von den Geräuschen der Grillen begleitet. Um 6.30 Uhr mache ich mich auf den Rückweg. Die Spinnen waren über Nacht sehr fleißig, weswegen ich bei jedem Schritt meinen Bambus-Wanderstock eine Armlänge vor meinen Körper halte, um mir nicht ununterbrochen die Netze von meinem Gesicht wischen zu müssen. Die Strahlen der Morgensonne brechen durch das Dickicht und verzaubern den Wald mit hellen Grüntöne. Ein süßliches Aroma mischt sich unerwartet unter die feuchte Luft. Links, unweit vom Boden raschelt und grunzt es – die Erinnerung daran, dass ich mich in einer lebenden Umgebung befinde. Ich mache wieder ein paar Schritte in den Wald hinein, doch das Wildschwein ist bereits verschwunden. Nun ein Geräusch auf der anderen Seite. Ich bekomme gerade noch die Gelegenheit einen Blick auf etwas braunes Davonspringendes zu erhaschen. Ich genieße die Stille der Natur, bis diese nahe einer weiteren Abzweigung von einer Geräuschkulisse durchbrochen wird. Eine Touristengruppe steigt aus einem Transporter kommt mir entgegen. Ich nutze die Gunst der Stunde und fahre mit diesem zurück zum Parkeingang.

 

Zusammenfassung: Eine angenehme Wanderung durch ein malerisches Urwaldszenario. An der Straße entlang zu laufen ist weniger interessant – ich vermute, dass es lohnenswerter ist auf dem Rückweg den tieferen Teil des Waldes mit einem Führer zu erkunden. Für mich ist der Cat Tien eine Oase der Natur und damit Gegensatz zu den chaotischen vietnamesischen Städten mit deren hektischen Treiben.