Rees-Dart Track (Neuseeland)

Die abwechslungsreiche Rees-Dart Wanderung auf der Südinsel Neuseelands führt durch Wald, Sumpf und Bergland. Auf dem höchsten Punkt, dem Rees-Sattel auf 1430 Höhenmeter, kann es im Spätsommer bereits recht kühl werden. Zur Route zählen einige Flussüberquerungen, welche die Füße nicht trocken lassen werden. Dafür ist der Ausblick vom Cascade Saddle unvergesslich.

Rees-Dart-Track

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04.03.2011 – 06.03.2011

 

Tag 1, Muddy Creek – Rock Shelter Hut, 19 km:
Um den Trek am Muddy Creek zu beginnen, steige ich in einen Jeep in Glenorchy. In diesem befinden sich bereits zwei weitere Wanderer, Kevin und Christen aus den Vereinigten Staaten, die heute ebenfalls die Wanderung in Angriff nehmen. Mein Buch über Tramping in Neuseeland (Tramping ist das neuseeländische Wort für Wandern) warnt davor, dass uns am ersten Tag Flussüberquerungen bevorstehen – was sich dahinter verbirgt, begreife ich kurz hinter der Parkgrenze. Ein schnell fließender Bach steht zwischen mir und dem weiterführenden Weg. Erfolglos halte ich Ausschau nach einer flachen Stelle zum Überqueren. Gemäß des ‚Augen zu und durch‘-Prinzips ziehe ich eine halbe Stunde später meine Schuhe und Socken aus und begebe mich ins Gewässer. Ich wate durch das oberschenkeltiefe Wasser auf die andere Seite, wo ich meine Füße trockne und die Schuhe wieder anziehe. Währenddessen erkenne ich, dass Kevin und Christen einen Weg um den Fluss herum gefunden haben. Da der Wasserlauf eine Schleife zieht und meinen Weg erneut kreuzt, zweifle ich daran, dass es sich hier um die im Buch beschriebene Überquerung handelte. Diesmal bin ich mit Selbstsicherheit und positiver Erfahrung gerüstet, sodass die Schuhe nun routiniert ausgezogen und über die Schulter geworfen werden – ich bahne mir meinen Weg durch das blaue Nass. Kurz darauf lässt mich die von mir unterschätzte Strömung fast für diese Arroganz bezahlen und ich beinahe das Gleichgewicht. Es gelingt mir gerade noch rechtzeitig die Wanderschuhe festzuhalten – erleichtert erreiche ich das andere Ufer. Ohne Stiefel wäre das Abenteuer nun bereits vorüber gewesen.
Bei der tatsächlichen Furt hole ich die beiden Amerikaner wieder ein. Das Schreiten durch das diesmal lediglich knöcheltiefe Wasser ringt mir mittlerweile nur ein müdes Lächeln ab. Der weitere Weg scheint über eine grüne Wiese zu führen, doch bereits bei den ersten Schritten fühle ich, wie meine Füße einsinken und mir der Schlamm bis an die Knöchel reicht. Willkommen im Sumpfgebiet… Hier erweisen sich alle Versuche, die Schuhe trocken zu halten, als hinfällig.
Ein letzter Anstieg führt zur Rock Shelter Hut, wo uns mein bevorzugtes Feature der Backcountry-Hütten Neuseelands erwartet: ein Ofen. Es gelingt mir aus dem feuchten Holz ein annehmbares Feuer zu entfachen, wodurch eine leise Hoffnung entsteht die Schuhe und Socken im Ansatz zu trocknen. Die Amerikaner besitzen zurzeit kein eigenes Kochgeschirr, weswegen wir meins teilen. Die Beiden ließen ihre Sachen in einem Hotel in Christchurch, das nach dem schweren Erdbeben vor einigen Tagen als einsturzgefährdet klassifiziert wurde.

 

 

Tag 2: Rock Shelter Hut –Dart Hut, 10 km (+ Side Trip Cascade-Sattel, 10 km einfach):
Heute starte ich bereits um 8.30 Uhr, da mir ein langer Tag bevorsteht. Der Cascade Sattel scheint der Höhepunkt dieser Wanderung zu sein – dies wird mein Tagesziel. Der enge Pfad beginnt mit einem Anstieg zum Rees-Sattel. Oben angekommen strecke ich meine Hand aus und sehe, wie kleine weiße Flocken auf ihr landen und einen Augenblick später in flüssiger Form auf den Boden tropfen. Die Kombination von spätsommerlichem Schnee und meinen leider doch noch feuchten Schuhen bewirken ein unangenehm kaltes Gefühl.
Ich stiefle schnell weiter, entlang eines Flusses, vorbei an grasbewachsenen Hügeln auf der einen Seite und einem Tausend-Wasserfällen-Szenario auf der anderen. Die unterschiedlichen Grün- und Brauntöne, sowie das Rauschen des Wassers lassen eine angenehme und entspannte Atmosphäre entstehen. Die Dart-Hütte erreiche ich bereits nach 3,5 Stunden (in Abhängigkeit von den Witterungsbedingungen sollten 4-6 h geplant werden). Hier schnalle ich meinen kleinen Tagestour-Rucksack mit dem Wasservorrat ab und begebe mich damit nach einer kurzen Mittagspause auf den Weg zum Cascade-Sattel. Erneut überquere ich einen Bachlauf: mit leichtem Gepäck überwinde ich diesen mit Sprüngen über die darin ruhenden Steinbrocken. Einige Zeit später, nachdem ich erfolgreich und trocken auf der anderen Seite angekommen bin, lasse ich meinen Blick gleiten: Wie ein Gemälde setzt sich der Fluss im Tal auf der linken Seite und der steinigen Hügel auf der rechten zusammen. Geradeaus erkenne ich einen eisigen Gletscher, in dessen Richtung ich marschiere. Nach einer Rechtskurve folgt ein letzter Aufstieg, bevor sich ein phänomenaler Blick ins Tal öffnet. Vervollständigt wird der Tag durch Keas, neuseeländische Vögel, die sich durch grünes Gefieder und ihre Neugier auszeichnen. Wer unbewacht seinen Rucksack herumliegen lässt, muss damit rechnen, dass dieser von den einfarbigen Freunden durchwühlt wird. Als einer der beiden zum Flug ansetzt und seine Flügel spreizt, kommen auf der Unterseite Rot- und Brauntöne zum Vorschein. Zurück in der Dart Hütte freue ich mich auf mein Bett – nach der 10-stündigen Wanderung und 1300 Höhenmeter bin ich am Ende meiner Kondition angelangt

 

 

Tag 3: Dart Hut –Chinamans Carpark, 24 km:
Da nur 3 der 32 Betten belegt sind, erwache ich ausgeschlafen und gut gelaunt. Von einem Ranger erfahren wir, dass dies nicht der Regelfall sei: In der Hauptsaison im Sommer ist es keine Seltenheit, wenn hier bis zu 72 Wanderer übernachten wollen. Als er mir die Kopf-zu-Fuß-Schlafweise erklärt, nehme ich mir vor, von nun an immer ein Zelt mitzunehmen.
Ein gut ausgebauter Weg führt durch einige Wälder bergab zum Cattle Flat. Die morgendlichen Sonnenstrahlen bahnen sich durch efeubewachsene Bäume und malen ein faszinierendes Bild. Darauf folgt eine lange gerade Strecke mit Ausblick auf die Wasserfälle und Lauschen der einmaligen Laute der neuseeländischen Vogelwelt. Ohne größere Anstrengung erreiche ich die Daleys Flat Hut. Da es noch nicht sehr spät ist, hänge ich die letzten Kilometer zum Parkplatz an und habe Glück, dass zwei weitere Wanderer dort bereits auf einen Transport warten. Gegen Abend erreiche ich den Zeltplatz, wo mein Van und eine Portion Spaghetti Carbonara auf mich warten.

 

Zusammenfassung: Zusammenfassung: Ein wunderschöner und faszinierender Trek, der anspruchsvoller ist als es zunächst den Anschein hat. Der Cascade-Sattel sollte aufgrund der atemberaubenden Blicke in das Tal auf alle Fälle mitgenommen werden. Eine Mischung aus kleinem Abenteuer und innerer Ruhe. Im Sommer kann es lohnenswert sein an ein Zelt zu denken.