Cumbria Way High Route (England)

Der Cumbria Way beginnt in Ulverston und führt über durch landwirtschaftliche Gebiete in den Lake Distrikt, den größten und beliebtesten der 13 Nationalparks in England. Nach dem Great Langdale Tal plane ich eine alternative Route, über einige der höchsten Gipfel Englands, bis nach Keswick, wo ich wieder auf den Ursprungsweg treffe.

Cumbria Way High Route

Zurück nach Europa

 

Über Feld und Acker: Ein Hoch auf die Ramblers

Die Kleinstadt Ulverston: Weltberühmt als Geburtsort des Komikers Stan Laurel. Den Startpunkt des Cumbria Way markiert eine Skulptur, die an einen übergroßen Zauberhut erinnert. Querfeldein verläuft die Strecke über Privatgelände, ein Verdienst der Ramblers Association, die sich seit 1935 für die Rechte der Wanderer einsetzt.
Über Steinmauern und durch Gattertore, und vor mir liegt eine saftige Wiese – jedoch kein Hinweis darauf, wo der Weg diese wieder verlässt. Dann erscheint wie aus dem Nichts das Symbol des Cumbria Way, ein (meistens) gelber Pfeil auf einer (meistens) grünen Plakette; manchmal auch ein hellgelber Pfeil auf einer gelben Plakette; oder ein blauer Pfeil…

 

Wandern durch die Epochen

Nach zwei Stunden reise ich durch die Zeit: Zuerst kommt St. Johns Church in Sicht, eine Kirche mit Wänden aus Schieferschichten, erbaut vor 150 Jahren und unter Denkmalschutz stehend. Danach entfernt mich, endlich, ein nächster Anstieg von der Zivilisation. Ein kleiner See liegt eingerahmt von einer Hügellandschaft, das grasige Ufer in grünen und braunen Tönen, dekoriert von kniehohem Gestrüpp und Gestein.
Der Weg führt durch Coniston, ein kleines Dorf, und danach ins Mittelalter: ein steinernes Fort am Fuße eines Hügels ist zu passieren. Schafe beobachten mich dabei, weiße Köpfe, braunes Fell – wirken wie Mönche mit Kutten, passend zur Atmosphäre.

Tarn Hows, Skelwith Brücke, Elter Water. Allesamt Orte, die sich ideal für Familienausflüge, Spaziergänge und Picknicke eignen. Danach wird es wieder spannend: Von Bergen eingerahmt zieht sich das Great Langdale Tal, in dem bereits vor 4000 Jahren Material für Äxte gewonnen wurde.
Ich bin fasziniert von den meilen-langen Trockenmauern, die auf allen Höhenlagen das Land voneinander abgrenzen. Stein auf Stein, ohne Mörtel: ein Bausystem, welches aus der Eisenzeit stammt.
Ein Gleitschirmflieger schwebt am wolkenlosen Himmel. Flache Insel? Nicht hier.

 

Scafell Pike und Great Gable: Steinhaufen im Nebel

Wanderer kommen mir entgegen, auf ihrem Weg in die beiden Dungeon Ghylls, dem Alten und dem Neuen. Vor 200 Jahren Bauernhöfe, heute Mittelklassehotels. Wild zelten? Für sie eine waghalsige Idee. Der Cumbria Way führt gerade aus, ich biege ab, nach links, querbergein. Die untergehende Sonne spielt Versteck mit mir. Auf dem Pass bei Rossett Pike finde ich sie wieder.

Auf der anderen Seite liegt Angle Tarn, ein Gebirgssee. Diesen lasse ich hinter mir, ein Zelt ist bereits an dessen Ufer aufgeschlagen, Zwei wären ein Gedränge. Stattdessen finde ich weiter oben Zuflucht, abseits des Weges. Auf sanften Untergrund reicht mein Ausblick bis tief in das Langstrath Tal hinein – für kein Geld der Insel wollte ich diesen wundervollen Schlafplatz gegen ein Hotelbett eintauschen.
Auf dem Weg zum höchsten Berg Englands treffe ich Matt mit seinen zwei Hunden, auf den britischen Wegen willkommene Tiere. „Das ist leider Baileys letzte Tour“, erklärt er mir. „Er ist zu alt, hatte jedoch immer Spaß. Lucy nicht so, die ist faul“ und deutet auf seine weiße Berghündin.

Eine halbe Stunde kraxeln über Steine und ich bin auf 978 Metern, höher geht es in England nicht. Ein zarter grauer Schleier hat sich gelegt, lässt die weite Aussicht von diesem Steinhaufen verschwimmen.
Schnell weiter, zur Spitze des Great Gables, Englands vierthöchsten Berg. Vom zarten Schleier ist auf hier oben nichts mehr zu sehen, der massive Nebel versperrt alles. Die Aussicht ist berauschend – bei guten Bedingungen, momentan muss ich mich mit wenigen Metern begnügen.
Zumindest genug, um die kleinen Steinhügel zu sehen, Markierungen zum Green Gable, den kleinen Bruder des Great Gables. Danach verpasse ich eine Weggabel und folge der falschen Richtung.

 

Königlicher Zeltplatz

Glücklicherweise meldet sich der Honister Pass geräuschvoll an und ich bin wieder auf dem richtigen Pfad. Die lärmende Quelle erweist sich als die letzte aktive Schiefermine in England, die nebenbei mit Klettersteig, Minentour und eine „Hängebrücke ohne Ende“ als Touristenattraktion dient.
Ich überquere die B5289, eine Passstraße mit einer Steigung von bis zu 25%. „Du brauchst Dale Head nicht ganz hoch, aber mindestens zu zwei Drittel“, meinte der Wirt des Honister Hostels zu mir, ansonsten bestehe die Gefahr, dass der Weg an einer Bergspalte endet.

Gesagt, gewandert. Ein weiteres Mal bergauf, danach entlang der Flanke. Unter einem Wolkenvorhang, auf der anderen Seite des Hügels, erkenne ich Dalehead Tarn, einen Bergteich. Auf einer Anhebung dahinter schlage ich mein Zelt auf – und fühle mich wie ein König, während ich beim Abendmahl auf den kleinen See herabblicke.
Am nächsten Morgen geht es über den High Spy und dem Maiden Moor zu den Catbells, einen des beliebtesten Fells im Lake Distrikt. Ich lasse meinen Blick über den See Derwent Water schweifen, an dessen Ende mit Keswick mein Zielort liegt.
Auf dem Weg dorthin kommen eine Meute Sonntags-Spaziergänger an mir vorbei, schauen mich neidisch an: Ich gehe gemütlich bergab, während sie den steilen Abschnitt direkt vor sich haben.

 

Zusammenfassung

Eine gute Kombination – der Cumbria Way bringt die englische Kultur näher, bis der Lake Distrikt alpine Landschaften und eine ideale Möglichkeit zum wild zelten bietet. Mit Karte und Kompass bewaffnet und einem glücklichen Händchen beim Wetter gibt es hier unvergessliche Abenteuer zu erleben.