Trekking über die Reisfelder in Sapa (Vietnam)

Die Reisfeldwanderungen im Sapa-Gebiet führen auf Trampelpfaden mit atemberaubenden Ausblicken über Reisfelder und Bambuswäldchen durch das hügelige Hinterland. Der Weg passiert mehrere Dörfer unterschiedlicher Stämme, die einen mit selbst gekochtem Essen überraschen und für die Nacht in ihren authentischen Unterkünften in den Kreis der Familie aufnehmen. Die Dauer und Distanz können individuell gewählt, die Kosten für einen Führer mit etwa 15-20 US-$ pro Person und Tag budgetiert werden.

Sapa

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23.11.2016 –24.11.2016

 

Tag 1: Sapa – Zuhause der Familie von Sii:
Eva, meine Weggefährtin auf dieser Wanderung, und ich übernachten in einem der lokalen Hotels mit dem Namen Mountain View, in dem ein liebevoll gestaltetes und eindeutig vietnamesisch angehauchtes Frühstücksbuffet eine Stärkung vor der Wanderung verspricht. Mit Sii, unserer Führerin, treffen wir uns um 9.30 Uhr an der ortsansässigen Kirche, die gleichzeitig den Mittelpunkt des Dorfes kennzeichnet. Hier werden ankommende Touristen, wie auch wir am Tag zuvor, sofort von den Bergdamen abgefangen – einige bieten Souvenirs an, die anderen verhandeln über mögliche Wandertouren.
Um unsere Wasservorräte aufzufüllen, begeben wir uns zusammen zu einem der günstigsten Supermärkte im Ort. Die lärmende Großbaustelle Sapa verlassen wir daraufhin mit Hilfe einer Seitengasse und beginnen damit die Wanderung. Der steile Anstieg vor uns deutet darauf hin, dass uns kein lockerer Spaziergang erwartet. Nach einer halben Stunde können wir bereits auf die Dächer der Kleinstadt herunterschauen. Mit dem bergigen Hintergrund, den wolkenbefangenen Himmel und den zwischen den Häusern gelegenen See wirkt das Panorama sehr friedlich. Hier oben kann diesem Ort beinahe alle Hektik abgesprochen werden, wenn nicht das Hupen und die Motorengeräusche der Autos hinaufgetragen werden würden. Eine weitere halbe Stunde bewegen wir uns bergauf, bis wir schweißgebadet im Schatten eines improvisierten Verkaufstandes eine kurze Rast halten. Zwei gehörnte Büffel werfen uns gelangweilte Blicke zu und grasen weiter in der Mittagshitze. Während Sii einen Schirm aufspannt, sind wir der prallen Sonne hilflos ausgeliefert. Nach Überqueren eines Plateaus, weicht das Geräuscheszenario einer schlagartig auftretenden, entspannenden Ruhe. Ich atme tief ein und lasse meinen Blick über das ausladende Tal wandern, das sich auf dieser Seite eröffnet – rechts der Berg Fansipan, die höchste Erhebung Vietnams, sowie die Gondelbahn zu dessen Spitze – links weitere bewaldete Hügel. Dazwischen ein grünes Tal, das durch den leichten Dunstschleier zum Teil einer mystischen Geschichte dazuzugehören scheint. In der Mitte des Tales schlängelt sich ein Fluss, zu dessen beiden Seiten einzelne Hütten und die berühmten bewässerten Reisetagen zu erkennen sind. Diese lassen den Eindruck entstehen, die Oberfläche des Berges bestünde aus mehreren Schichten.
Einige Minuten später erreichen wir eine Asphaltstraße und durchqueren das erste Dorf. Die Mittagszeit verbringen wir in einem lokalen Restaurant, in dem wir mit Reis und Fleisch verpflegt werden. Während ich auf den roten Plastikstühlen unter dem Sonnenschirm sitze und auf das Essen warte, Eva erschöpft neben mir, kreuzen ein paar kleine Schweinchen, gefolgt von schnatternden Enten, den Weg direkt vor uns. Nach dieser Stärkung wandern wir 2 Stunden durch weitere Dörfer, während die Reisfelder immer deutlicher zu erkennen sind. Unerwartet hält Sii an und deutet auf ein kleines Häuschen, in der ihre Familie wohnt und bietet uns an, hier zu übernachten. Unser Bett für die Nacht steht in einer Ecke, die auf der einen Seite zum Hauptraum durch eine Holzwand, auf der anderen durch einen Vorhang abgetrennt ist. Trotz des leicht modrigen Geruchs legen wir uns hin und schlafen sofort für einige Stunden ein. Das Abendessen, das wir gemeinsam mit der Familie einnehmen, besteht aus Reis, Nudeln und leckeren Frühlingsrollen. Während des Gesprächs erklärt Sii, dass am nächsten Tag ein Schamane die Familie besuchen wird, weshalb alle etwas aufgeregt seien. Diesem müssen 6 verschiedene Tiere geopfert werden, weshalb sich ihr Mann und dessen Bruder kurze Zeit später auf Mäusejagd begeben. Nach dem Essen trinken alle Familienmitglieder, der vietnamesischen Tradition entsprechend, den ein oder anderen Reiswein mit uns – der „Wein“ weist mehr als 40% Alkoholgehalt auf weshalb uns empfohlen wird, nach dessen Genuss noch eine Gabel der übrigen Nudeln zu uns zu nehmen. Die Kommunikation mit der fast ausschließlich vietnamesisch sprechenden Familie scheint nach einigen Runden kein Problem mehr darzustellen. Im Anschluss zündet sich Sii’s Schwiegervater an der Feuerstelle in der Küchennische seine Wasserpfeife an, während wir müde in unserer Schlafstätte verschwinden.

 

 

Tag 2: Zuhause der Familie von Sii – Sapa:
Der zweite Tag sollte mit einer weiteren Tageswanderung in die nächsten Bergdörfer aufwarten, doch nach dem Aufstehen sind wir aufgrund des Wetters gezwungen die Pläne anzupassen und den Trip auf 2 Tage zu kürzen. Die Sonne wurde inzwischen von einem dichten Nebel vertrieben, der womöglich das Auftreten des Schmanen ankündigen könnte. Bei der angekündigten Familienzeremonie wird auch Sii teilnehmen, weswegen sie eine Freundin bittet die heutige Tour zu führen. Mit einem freudigen Lächeln nehme ich den in meine Nase steigenden Kaffeegeruch wahr. Ein kleines Frühstück in Form eines mit Omelette belegten Baguettes erwartet uns bereits. Kurzer Zeit später treten wir den Weg entlang der komplett vom Wasser bedeckten Reisfelder an, in deren matschigen Untergrund knietiefe Fußabdrücke zu erkennen sind. Wir folgen unserer Führerin, die, ihr etwa 2 jähriges Kind auf dem Rücken geschnallt, mühelos vorangeht. Der Weg führt durch ein Wäldchen, das auf der rechten Seite durch eine hüfthohe Steinmauer begrenzt wird. Während ich auf dem erdigen und feuchten Pfad die Balance zu halten versuche, bewundere ich die mich umgebenden Bambusgewächse, die in Gruppen vereinzelt aus dem Boden des Waldes sprießen. Der dichte Nebel vervollständigt das gespenstische Szenario. Dunkelgrüne Kakteen entlang der Mauer kündigen das Ende der Route an – wir kommen wieder an die Hauptstraße und genießen kurz darauf bei Siis Freundin zu Hause ein von ihr gekochtes Mittagessen. Als ich nach der Toilette frage, bin ich etwas überrascht, da ich einen Moment darauf auf eine Steinplatte mit einem Loch in der Mitte blicke. Ich entscheide spontan, dass es doch nicht so dringend ist. Die letzten Kilometer zurück nach Sapa ziehen wir dem Fußmarsch zwei Motorradtaxis vor.

 

Zusammenfassung: Eine Reisfeldwanderung gehört zum Pflichtprogramm von Sapa. Da die Dauer und Länge individuell wählbar sind, ist diese für jeden geeignet. Schöne Aussichten, eine herzliche Gastfreundschaft und familiäre Atmosphäre bilden einen spannenden Einblick in das Leben der Einheimischen.