Drakensberg Northern Traverse (Südafrika)

Paviane kämpfen auf einer Insel im Meer von Wolken, während man in einer Höhle von der aufgehenden Sonne geweckt wird. Das gibt es nur auf der Drakensberge Northern Traverse. Drei Stunden entfernt von Johannesburg, der Hauptstadt Südafrikas, bildet diese Gebirgskette die Grenze zum Nachbarstaat Lesotho. Der Weg ist führt entlang eines dramatisch abfallenden Kliffs. GPS oder Kompass sind Pflicht, die undeutlichen Pfade schwer zu finden. Im Cathedrak Peak Hotel sind topographische Karten erhältlich, das freundliche Personal hilft gerne beim Buchen eines Taxis zum Sentinal Car Park, dem Start des Trails.

Northern Traverse

Zurück nach Afrika

 

Navigieren bei Nebel

 

Mein Wandergefährte Frank aus Johannesburg und ich starten die Drakensberg Northern Traverse am späten Vormittag am Sentinal Car Park.
Nach einer Stunde lockerem Fußmarsch bei Nieselregen erreichen wir die Chain Ladders. Wir klettern die beiden stählernen Hängeleitern nach oben – ein merkwürdiges Gefühl, da diese locker am Felsen hängen. Das Eisen ist kalt: sich im Sommer Handschuhe zu wünschen, ein neues Gefühl.

Nebel begrüßt uns, als wir oben ankommen, die Hoffnung auf einen angenehmen Nachmittag ist dahin. Die Sicht ist schlecht, das Navigieren schwierig. Wir erkennen einen Fluss, der uns durch die grüne Landschaft Richtung Klippe führt, an der wir die nächsten Tage entlanglaufen wollen. Dort trägt dieser zu einem berauschenden Schauspiel bei: Er geht in einen Wasserfall über, der einige Meter nach unten fällt, bis er in der gespenstischen Wolkendecke verschwindet.
Mittagsrast in einer Notfallhütte: Ein trockener Ort, während die dicken Regentropfen auf das Wellblechdach hämmern. Danach machen wir uns auf, über Felsbrocken in Richtung Süden zu steigen. Unser Ziel: Die Ifidi Höhle.

Der Wind bläst Nebelfetzen vom Tal über die steilen Abhänge hinauf auf das flache Plateau. Einige Male weichen wir leicht von der Route ab, bevor wir die Höhle erreichen. Da diese eher einem Überhang gleicht, schlagen wir auf dem schmalen Felsvorsprung davor unsere Zelte auf.

 

Schafe und Madonna-Anbeter

 

Sonnenschein weckt mich – ich öffne mein Zelt und bewundere erstmalig einen nebelfreien Ausblick über die kantigen Konturen der Drakensberge.
Der spannende Weg führt uns direkt am Steilhang entlang. Ich erkunde diesen aus der Nähe, werfe einen Blick nach unten und erstarre: 1000 Meter hinunter ins Nichts.
Die tiefen langen Einschnitte in der Klippe sind schwierig zu erkennen. Um diesen nicht ständig auszuweichen, halten wir uns weiter Inlands. Weiße Storche sehen uns prüfend an. Als wir uns nähern, nehmen sie einen kurzen Anlauf und erheben sich majestätisch in die Luft, bevor sie abdrehen und sich vom Wind tragen lassen.
Wir passieren „Madonna and her Worshippers“, eine der vielen spannenden Felsformationen: eine große Felssäule steht in der Mitte, mehrere kleine daneben. Vor uns liegt der Hügel, auf dessen Gipfel sich die Mponjwane Cave befindet.

Neugierige Schafe betrachten unsere Rucksäcke, während wir unsere Wasservorräte an einem kleinen Bach auffüllen. Die Hirten sprechen gebrochen Englisch, das Wort „Food“ kennen sie. Wir tauschen ein Stück Schokolade gegen ein dankbares Lächeln, und schon treiben sie Ihre Herde weiter.
Anstrengender Weg nach oben. Wochenende und gutes Wetter scheinen noch weitere Wanderer auf die Drakensberg Northern Traverse gelockt zu haben, die Höhle ist belegt. An Zeltplätzen herrscht kein Mangel, eine Wiese auf einem Hochplateau ist dafür wie gemacht.
Die Strapazen gehen weiter: Kein Wasser mehr, mein Camel Bag hat ein Loch. Etwas Duck Tape schafft Abhilfe. 600 Höhenmeter hinab, Wasser nachfüllen, und zurück. Oben habe ich das Gefühl, ich sei bei einer Ausstellung für Zelte gelandet: Es haben sich noch zehn weitere zu unseren gesellt.

 

Paviankämpfe über den Wolken

 

Wir befinden uns auf einer Insel in einem dichten Wolkenmeer, das an den Felsen unter uns andockt. Die Sonne strahlt auf einen Felsen, auf dem Paviane herumtollen.
Unser Frühstück wird jäh unterbrochen – eine zweite Gruppe Affen gesellt sich zu der ersten, es bricht ein Streit um die Vorherrschaft aus. Verärgerte Schreie durchschneiden die Ruhe. Die Sieger jubeln oben, während die Übrigen mit traurigen Gesichtern den Felsen hinabklettern.
Auf dem Weg nach unten durchbrechen wir die Wolkendecke, die unsere Welt danach in ein tristes grau hüllt. Zur Orientierung ziehen wir Franks GPS-Handy zu Rate, Landmarken sind schwierig zu orten.

Am frühen Nachmittag erobert die Sonne den Himmel zurück, Steinpyramiden leiten uns über den Bergrücken. Gelbe und pinke Blüten säumen den Weg, vorbei an Schafen, Kühen und Esel.
In der Easter Höhle schlagen wir unser Lager auf, eine kniehohe Steinmauer hält den Wind ab. Ich werfe einen Blick nach draußen: Die Abendsonne lässt die drei Bergspitzen rötlich erleuchten, der Höhleneingang umrahmt dieses Szenario in perfekter Manier.

 

Ein letztes Abenteuer auf der Drakensberg Northern Traverse

 

Ein magischer Sonnenaufgang: Der Horizont ist in ein tiefes orange getaucht. Kurz darauf erstrahlen die Wolken in einem warmen Violett – die Morgenröte bedient sich jeder Farbe aus dem Malkasten.
Es ist unser letzter Tag, Frank navigiert uns mit seinem GPS-Gerät. Er verwendet die Koordinaten der Twin Höhle, an der uns ein Pass auf die andere Seite bringen soll. Allerdings finden wir uns auf einer Grünfläche wider, auf der einen Seite ein steiler Abhang, auf der anderen der Berg. Wir prüfen die Karte und stellen fest, dass seine Koordinaten um ein Grad abweichen. Um zurück auf die geplante Route zu kommen, folgen wir an der Bergflanke einem schmalen Weg – wie Krebse bewegen wir uns seitwärts, vorsichtig, ein Schritt nach dem anderen.

Nach zwei Stunden – endlich – erkennen wir ein kleines Loch im Berg vor uns: Die Twin Höhle. Der Weg dahinter ist deutlich erkennbar, steil bergab. Wir kämpfen uns durch mannshohes Gestrüpp, bevor wir einem angenehmen Pfad zurück zum Cathedral Peak Hotel folgen, das Ziel der Drakensberg Northern Traverse.

 

Zusammenfassung:

Die Drakensberg Northern Traverse eignet sich sehr gut für schwindelfreie und trittsichere Wanderer, die Übung im Navigieren haben. Steil abfallenden Klippen und imposante Ausblicke -Wer sich an den Rand wagt, dem ist ein Adrenalin-Kick garantiert. Aber Vorsicht: Zu viel Übermut kann hier das Leben kosten.